Altleiningen-ein Dorf im Zeichen der Burg

Ortsteil Höningen 

Etwa 2,5 km südwestlich von Altleiningen findet man den historisch wichtigeren Ortsteil Höningen, entstanden aus dem ehemaligen

Kloster Höningen

ehemaliges Kloster Höningen          Torbogen Höningen

 

Das Dorf Höningen in seiner aktuellen Form entwickelte sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts aus einem ursprünglichen Weiler.

Namensgebend war im Mittelalter das Chorherrenstift St.Peter Höningen der Augustiner.
Die Abteikirche des Klosters barg über mehrere Jahre die Gebeine der Leininger Grafen.
Die Existenz des Klosters erlosch im Januar 1569 im Zuge der Reformation.

Zwei Monate später brach im Kloster ein verheerendes, alles vernichtendes Feuer aus.
Sämtliche Bauwerke inclusive der Abteikirche wurden zerstört.

Graf Philipp ließ die Gebäude teilweise wieder aufbauen und gründete eine
„Lateinische Schule“, die Vorstufe des heutigen „Leininger Gymnasiums“, welche 1729 nach Grünstadt verlegt wurde.
Im „Dreißigjährigen Krieg“ wurde Kloster Höningen erneut umfangreich geschädigt.

Nur noch wenige Reste, wie der Westgiebel der Kirche, erinnern an die Abteikirche,
sowie das Kloster.

Eines der ältesten romanischen Bauwerke der Pfalz ist die westlich der Klosterruine stehende (evangelische) St. Jakobskirche zu Höningen.
Die St. Jakobskirche ist mit Sicherheit älter als das um 1120 gegründete Kloster.

Graf Philipp setzte den ersten lutherischen Pfarrer an der St. Jakobskirche ein.
Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert, Emporen, Kanzel und Grabdenkmäler der Leininger Grafen sowie ein Taufstein (1230) sind zu sehen.

Zahlreiche Wanderer, insbesondere auch aus den nahegelegenen Städten Mannheim und Ludwigshafen, finden im Waldgebiet um Höningen und Altleiningen die Entspannung vom Alltagsstress.

Auch die Gastronomie der Orte Altleiningen und Höningen trägt nach einem ausgedehnten Spaziergang zum leiblichen Wohl bei. 

Höningen       Sankt Jakobskirche Höningen


Das untergegangene Dorf

Zwingweiler 

ehemaliges Dorf Zwingweiler - Ritterstein   ehemalige Gerichtsstätte - Gedenkstein

 Etwa ½ Stunde talabwärts von Höningen, beim Eingang in die „Große Mulde“ befand sich das Dorf Zwingweiler (ahd.Twincwilre = Herrenhof).
Ein beim „Langental“ beginnender, am Hange der Großen Mulde hinaufziehender und auch „Totenweg“ genannter Waldweg sind stumme Zeugen von dem einst hier gelegenen Dorfe.
Es wird 1245 in einer Bulle Innocenz IV., welche Zehnten zu Zwingweiler aufführt, erstmalig erwähnt.

In dieser Bulle war dem Kloster Höningen das Recht eingeräumt,
innerhalb des Klosters auch für „Nicht-Höninger“ Begräbnisplätze anzulegen,
insofern diese dort gegen Entrichtung von Geschenken oder Errichtung von Vermächtnissen die letzte Ruhe finden wollten.

Besonders machten von dieser Vergünstigung die besser bemittelten „Ganerben“ der Vorderhardt Gebrauch.

Die Mönche mussten jeder Leiche bis Zwingweiler, bzw. bis zur „Steige“ entgegen gehen und sie dann mit Gesang und Gebet bis Höningen begleiten.

Daher hat der Weg am Hange der Großen Mulde heute noch den Namen

Totenweg 

Totenweg - Höninger Tal


Zwingweiler war leiningenscher Besitz.
1411 wurde es mit 21 anderen leiningenschen Dörfern an die Kurpfalz verpfändet,  dann aber wieder eingelöst.
1481 ersuchte der Prior des Klosters, Johann von Lippe,  den Grafen Reinhard IV. von Leiningen-Westerburg, der die Vogtei über das Kloster besaß, um die käufliche Überlassung der Güter von Zwingweiler.
Infolge der Bereitwilligkeit des Grafen kam es zwischen ihm und dem Prior 1483 zu einem Vertrag, nach welchem die leiningenschen Güter bei Zwingweiler gegen anderwärtige Klostergüter vertauscht wurden.
So kam Zwingweiler nach und nach in den Besitz des Klosters.
Auf Anordnung des Priors durften keine neue Häuser mehr angebaut werden; die alten Häuser verfielen oder wurden niedergelegt und so war der Untergang des Dorfes besiegelt.

1514 stand nur noch ein Häuschen, das sogenannte „Zwinger-Häuschen“.
Diese Maßnahme des Priors hatte darin ihren Grund, dass die Bewohner des Dorfes den Klostergärten fortgesetzt Schaden zufügten und die Mönche bei der Verpflichtung zur Leichenabholung, während der unvermeidlichen Wartezeit oft durch die sich dort aufhaltenden, "leichtfertigen Frauen" zu allerlei "Ungebühr" verleitet worden waren.

Bis zur Aufhebung des Klosters (1569) diente das erwähnte Zwinger-Häuschen zur Abhaltung des alljährlich am St. Andreastage (30.November) stattfindenden Gerichtstages der Ganerben der drei Dörfer Bobenheim am Berg, Weisenheim am Berg und Dackenheim und des Vertreters des Klosters.

Von da an schied Zwingweiler aus dem Märkergericht und die drei Gemeinden hielten nun in der Folge ihre Sitzungen unter freiem Himmel, am Eingang in das Langental ab, wo ein bloßgelegter Stein die alte „Dingstätte“ bezeichnet.
Um das Zwinger-Häuschen bekümmerte sich niemand mehr -  es verfiel und verschwand spurlos.

Höninger Tal - Herbststimmung

 

 

 

 

 

 



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